Er kam mit knarrenden Zapfen und vergilbtem Lack, roch nach Jahrzehnten und Sonntagssuppe. Statt Abbeizer setzten wir auf warmes Wasser, sanftes Schleifen mit Absaugung, neue Holzdübel und Leinöl mit Bienenwachs, vollständig lösemittelfrei. Die Sitzfläche bekam eine Leinencordel-Bindung, die federt und atmet. Gegenüber einem Neukauf ersparten wir spürbar CO₂ und Abfall, während die Fingerabdrücke der Familie als feine Patina weiterleben.
Unter dicken Farbschichten versteckte sich ruhig gezeichnetes Holz. Wir reparierten Ausbrüche mit Holzmehl und wasserbasierendem Bindemittel, spachtelten minimal, schliffen staubarm und versiegelten Schubladeninnenräume mit Schellackflocken in Alkohol. Außen kam matte Kreidefarbe, versiegelt mit Carnaubawachs; alte Griffe ersetzten wir durch aufgearbeitete Messinggriffe. Die Schubladen laufen wieder sauber, der Geruch ist neutral, und das Möbel integriert sich freundlich in eine kleine Stadtwohnung.
Reste eines abgebauten Fischgrätbodens wurden zum Mittelpunkt eines Wohnzimmergesprächs. Wir sortierten nach Tonwerten, verleimten mit caseinhaltigem Kleber, setzten Schmetterlingsverbindungen gegen Risse und fassten die Kanten mit einer gebürsteten Eicheleiste. Als Finish diente Tungöl, hitzebeständig und tief eindringend. Kratzer stören nicht, sie erzählen. Die ursprünglichen Nägel bleiben als kleine Schatten sichtbar und erinnern an die Rettertour aus dem Sperrmüll.
Erdige Grüntöne, sanfte Ocker, gebrochene Blauvarianten und naturbelassenes Holz vertragen Kratzer besser als hochglänzende Moden. Wir kombinieren matte Oberflächen mit fühlbaren Poren, um Licht weich zu streuen. Testtafeln im Raumlicht vermeiden Überraschungen. Hinweise zu Kantenbetonung, Griffakzenten und Texturkontrasten helfen, Charakter zu bilden. So wächst jedes Stück weiter, wird individueller, und bleibt doch ruhig im Gesamtbild des Zimmers.
Schraubbare Beschläge, sichtbare Dübel und gesteckte Lamellos erlauben spätere Demontage, Transport und Teilreparatur. Wir zeigen Normmaße, die Ersatz erleichtern, und erklären, wann Edelstahl, Messing oder Schwarzstahl sinnvoll ist. Kleben wird sparsam eingesetzt, wo Reversibilität wichtig bleibt. Ergebnis: Möbel, die nicht nur länger leben, sondern bei Bedarf behutsam auseinandergehen – ein stiller Vertrag zwischen Gestalt, Gebrauch und Zukunft.
Sitzflächen aus Leinen, Hanf oder Wolle regulieren Feuchte angenehm, lassen sich reparieren und werden schöner, wenn sie benutzt werden. Abnehmbare Bezüge, Schnürungen oder sichtbare Nähte erleichtern Pflege und erzählen Handarbeit. Wir zeigen Bezugsrichtungen, Fadenläufe, Reißverschlusslösungen und Laschen, die das Waschen vereinfachen. Dadurch bleibt das Möbel alltagstauglich, nachhaltig und offen für Jahreszeiten, Gäste und spontane Farb-Launen.






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